10. Sonntag im Jahreskreis: „Barmherzigkeit will ich – nicht Opfer“

Ein Satz aus dem Propheten Hosea, der durch alle drei Lesungen des heutigen Sonntags klingt: Gott will kein Opfer – Gott will uns. Diese Zusage stand im Mittelpunkt der ökumenischen Wort-Gottes-Feier in Gaissau am heutigen Sonntag. Hosea spricht zu einem Volk, das die äußere Religionspraxis pflegt – und dabei das Wesentliche vergisst: die Treue, die Zuwendung, das wirkliche Hinschauen. Sechs Verse, die mehr sagen als mancher lange Traktat.

Paulus schreibt im Römerbrief über Abraham – einen Mann, der glaubt, obwohl alle Zeichen dagegen sprechen. Sein Glaube ist kein Sich-Einreden, kein Wegschauen vor der Realität. Es ist ein Ja trotzdem. Und dann Matthäus: Jesus sitzt mit Matthäus, dem Zöllner, zu Tisch. Und mit anderen, die dabeisitzen und von denen niemand fragt, wer sie sind. Die Frommen draußen murren. Jesu Antwort ist nicht defensiv, sie ist klar: Ich bin nicht für die Gesunden gekommen, sondern für die Kranken. Diese Formulierung ist keine Abwertung der einen und keine Romantisierung der anderen. Es ist eine Standortbestimmung: Hier bin ich. Dort bin ich zu finden.

Predigtimpuls zum Evangelium (Mt 9,9–13): Matthäus steht auf und folgt – ohne Erklärung, ohne Abwägung, ohne Zögern. Der Predigtimpuls fragte: Was wäre es heute, wenn wir so aufstehen und folgen würden? Und: Was ist unser „Zollhaus“ – der Platz, an dem wir uns eingerichtet haben, weil er vertrauter ist als das Neue? Jesus lädt nicht die Perfekten ein. Er lädt die ein, die aufstehen können.

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