Ein besonderer Karfreitag in Gaissau: Wir gingen gemeinsam den Kreuzweg – begleitet von poetischen Texten aus Karin E. Leiters „Der Baum – Ein Kreuz-Weg“ aus dem Sammelband Tanzendes Kreuz (Tyrolia Verlag). In diesem Text erzählt das Holz, das zum Kreuz wurde, seine Geschichte – vom Baum über den Balken bis zur letzten Station. Eine ungewöhnliche Perspektive, die dem Weg eine besondere Tiefe gab.
An jeder Station wechselten sich biblische Texte, Leiters poetische Impulse und kurze Meditationen ab. Dazwischen: Stille. Kein Erklärer, kein Kommentar. Die Texte durften wirken. Die vierzehn Stationen führten durch Verrat, Verurteilung, Sturz und Tod – aber der Bogen war immer auf die Auferstehung hin gespannt. Leiden als Durchgang, nicht als Endpunkt. Das Holz des Kreuzes hat eine Geschichte, die nicht mit dem Tod endet. Diese Gewissheit trug den ganzen Weg.
Predigtimpuls zum Evangelium (Passionsbericht nach Johannes): Im Johannesevangelium geht Jesus seinen Weg mit einer bemerkenswerten Souveränität – er trägt das Kreuz selbst, er regelt noch am Kreuz die Versorgung seiner Mutter, er sagt am Ende: Es ist vollbracht. Der Impuls fragte: Was vollendet sich hier? Was wird fertig – nicht im Sinne von Niederlage, sondern von Erfüllung? Und wo erleben wir selbst, dass etwas, das uns kostet, am Ende trägt?