Laetare – „Freut euch!“ – ist der Sonntag, an dem mitten in der Fastenzeit ein anderer Ton erklingt. Die Gaissauer Kirche war an diesem Märzsonntag ein Ort des ruhigen, nachdenklichen Feierns. Die Geschichte des Blindgeborenen aus dem Johannesevangelium stand im Mittelpunkt – ein Text, der neun Kapitel lang erzählt und dabei immer tiefer fragt: Was bedeutet es, wirklich zu sehen?
Im Gottesdienst zog sich diese Frage durch alle Lesungen. Samuel wird von Gott erinnert: Du siehst das Äußere, ich sehe das Innere. Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus: Ihr wart einmal Dunkelheit, jetzt seid ihr Licht. Und Jesus heilt – aber er erklärt nicht, erklärt nicht, warum jemand blind geboren wurde, erklärt nicht, wer schuld ist. Er handelt einfach. Er sieht den Menschen vor sich – und das reicht. Die Fragen, die uns im Alltag lähmen können – wer ist schuld, wer verdient Hilfe, wer gehört dazu? – treten in den Hintergrund. Was zählt, ist die Begegnung.
Predigtimpuls zum Evangelium (Joh 9,1–41): Die Pharisäer im Johannesevangelium sehen alles – und verstehen nichts. Der Blindgeborene dagegen hat nie gesehen und erkennt am Ende, wem er begegnet ist. Der Predigtimpuls fragte: Wo bin ich selbst manchmal so sicher, dass ich aufgehört habe, hinzuschauen? Und wo hat mich ein Mensch, von dem ich es nicht erwartet hätte, etwas Wesentliches gelehrt?