Mitten in der Fastenzeit ein Gleichnis, das atmen lässt: Der Weinbauer will den unfruchtbaren Feigenbaum umhauen. Doch der Winzer bittet: Noch ein Jahr. Ich grabe, ich dünge, ich gebe ihm Zeit. Vielleicht trägt er dann Früchte. Wenn nicht – dann. Der Gottesdienst in Gaissau fragte, was dieser Aufschub bedeutet: nicht Nachsicht ohne Konsequenz, sondern die Geduld Gottes, die nicht aufgibt.
Jesus durchbricht im heutigen Evangelium ein altes Deutungsmuster: Unglück ist keine Strafe für Sünde. Die Galiläer, die Pilatus töten ließ, waren keine schlimmeren Menschen als die anderen. Die achtzehn, die der Turm von Siloach erschlug, hatten keine größere Schuld. Die Frage „Wer hat gesündigt?“ ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Was tun wir jetzt damit?
Predigtimpuls zum Evangelium (Lk 13,1–9): Der Feigenbaum bekommt eine zweite Chance – nicht weil er sie verdient, sondern weil der Winzer für ihn einsteht. Das ist ein Bild für Gott, der nicht abschreibt. Fastenzeit ist nicht die Zeit der Buchführung, wer wie viel gesündigt hat. Sie ist die Zeit der aufgegrabenen Erde: etwas, das festgefahren war, darf sich wieder öffnen.